6. Oktober 2025

Tempo 30 für Lindenstruth: Mehrheit der Gemeindevertretung verweigert Verkehrsberuhigung

Mit deutlicher Mehrheit hat die Gemeindevertretung Reiskirchen den Antrag der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Begrenzung der Geschwindigkeit auf 30 km/h für die Ortsdurchfahrt Lindenstruth abgelehnt. Die GRÜNEN sehen darin eine vergebene Chance auf mehr Verkehrssicherheit und Lebensqualität in Lindenstruth. Das Tempolimit würde den Verkehr beruhigen und die Anwohner und Anwohnerinnen vor Lärm schützen.

Die Reduzierung der Geschwindigkeit, der Ausbau von Kreisverkehren (z.B. Abfahrt Bundesautobahn A5) und des Radwegenetz stehen im Vordergrund. Darüber hinaus kritisieren die Grünen, dass der Beschluss der Gemeindevertretung den Handlungsspielraum der Gemeinde Reiskirchen für zukünftige Verkehrsschauen und Verkehrsplanungen unnötigerweise einschränkt. Vor allem aufgrund des vehementen Argumentierens „für“ Tempo 30 durch alle Redner in der Gemeindevertretung, bleibt deren Ablehnung vollkommen unverständlich, kommentiert Dr. Rolf Tobisch, Ortsverbandsvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die Abstimmung. „Lindenstruth braucht heute eine Verkehrsberuhigung und nicht erst in einigen Jahren durch eine in den Sternen stehende Ortsumgehung.“ Im Fokus der GRÜNEN steht hingegen die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die Verbesserung der Lebensqualität in allen Ortsteilen der Gemeinde Reiskirchen.

Von den Gegnern des Antrags wurde wiederholt angezweifelt, dass die Verkehrszahlen für Reiskirchen und Lindenstruth rückläufig seien. Tobisch widerspricht dieser Darstellung entschieden: “Die Verkehrszahlen von 2000 bis 2021 sind für jedermann transparent unter https://mobil.hessen.de/verkehr/interaktive-verkehrsmengenkarte einsehbar. Die Verkehrsmenge von 2005 oder gar von 2000 werden heute in Reiskirchen und Lindenstruth nicht mehr erreicht. Diese Tatsache wurde durch unabhängige Messungen einer Initiative gegen die Südumgehung bestätigt.”
Besonders kritisch betrachten die Grünen die Verkehrsplanung aus dem Jahr 2005, die von einem Anstieg des Verkehrsaufkommens für Reiskirchen um 30% und für Lindenstruth sogar um 33% bis 2020 ausgegangen war. “Diese heute nachweislich falsche Prognose ging in das Nutzen-Kosten-Verhältnis für die Ortsumgehung ein und war somit fester Bestandteil des Genehmigungsverfahrens. Die geschönten Zahlen sind bis heute ein maßgebender Faktor für die Einstufung der Ortsumgehung in den vordringlichen Bedarf”, erläutert Tobisch.

Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wird sich weiterhin für verkehrsberuhigende Maßnahmen und eine kritische Überprüfung der Planungen zur Südumgehung einsetzen. Die Ablehnung des Antrags für Tempo 30 in Lindenstruth seitens aller anderer Fraktionen zeigt deutlich, auf welche Irrwege Parteiraison führen kann.